Contentpartner

Dieses Dokument zum Druck aufbereiten

CFB vom 07.01.2013, Heft 01 , Seite 1 - 1, CFB0561745

Wert und Werte - Finanzierung und das Verständnis der Kapitalnehmer für die Kapitalgeber



Mit den Jahrestagungen "Umbruch in der Kreditkultur" (hierzu finden Sie einen separaten Tagungsbericht im Heft) und "Unternehmensnachfolge" hat CORPORATE FINANCE in Zusammenarbeit mit dem hausinternen Seminaranbieter WSF im letzten Jahr zwei neue Konferenzen angeboten, die mit großem Interesse angenommen wurden und in diesem Jahr auch wieder geplant sind. Bei beiden Konferenzen wurden aktuelle Trends aufgegriffen und praxisnahe Einsichten vermittelt.

Die Basis für die dort diskutierten Aktivitäten ist ein klares "Wertverständnis". Dies wurde im Falle der Jahrestagung Unternehmensnachfolge daran deutlich, dass besonders die Überlebensfähigkeit des Unternehmens als die Grundlage angesehen wurde und als Konsequenz daraus eine Unternehmensnachfolge auch eine zukunftsfähige Strategie braucht. Zugleich ist bei Bewertungs- und Finanzierungsfragen die Betrachtung der risikoadäquaten Verzinsung und dem daraus entstehenden Wertverständnis unerlässlich. Die Überleitung von der "Überlebensfähigkeit" zum "Wert" ist hingegen teilweise schwierig, insbesondere in der praktischen Umsetzung. Die Schwierigkeit ergibt sich daraus, dass es beim Wert nicht primär um die Vergangenheit, sondern um die Zukunft und deren Potenziale geht. Für Familienunternehmen sind oft die "Werte" wichtiger als "Wert", welche sehr positive Effekte erzeugen, aber unter Umständen die Nutzung externer Finanzierungsquellen bzw. "anderer Leute Geld" erschweren oder sogar ausschließen können. Das ist dann der Fall, wenn mit den zugrunde liegenden Werten nicht mehr hinreichend Wert erwirtschaftet wird, was in der Folge häufig zu einer geringeren Wettbewerbsfähigkeit und einer drohenden Übernahmegefahr führt. Langfristig reduziert sich damit die Überlebensfähigkeit des Unternehmens. Daraus ergibt sich, dass Wert als auch langfristige Überlebensfähigkeit (stand-alone) letztendlich gleiche Aktivitäten begründen müssten: Dies ist aber sicherlich nicht immer klar und wird auch nicht entsprechend umgesetzt. Aus Sicht der Eigen- und Fremdkapitalgeber bestehen hinsichtlich des Wertes Mindestansprüche und ein besseres Wertverständnis des Kapitalnehmers führt zu einer höheren Erfolgswahrscheinlichkeit einer Finanzierung.

Gerade vor dem Hintergrund der Banken- und Finanzkrise ist es aus meiner Sicht nötig, dass wir zu einem besseren Wertverständnis und damit zu einem besseren Verständnis zwischen Kapitalgeber und -nehmer beitragen müssen. Diskussionen in der breiten Öffentlichkeit erfolgen häufig immer noch aus einer sehr ausgeprägten Buchwertsicht, wobei bei Fragen hinsichtlich der Finanzierung mit Eigenkapital aber auch mit Fremdkapital eine Marktwertsicht zumindest teilweise wünschenswert wäre. Die klare Abbildung der Marktwertperspektive durch die künftig prognostizierten Free Cash Flows - der Zukunft des Unternehmens - wird aus Kapitalgebersicht als Grundlage der Finanzierungsentscheidung herangezogen und kann die Konditionen der Finanzierung wesentlich beeinflussen. So wird z.B. eine rollierende, dreijährige Unternehmensplanung für die Finanzierung immer wichtiger, diese ist aber noch nicht in jedem Unternehmen etabliert.

Auch die breite Presse sollte die Differenzierung zwischen Markt- und Buchwert stärker aufgreifen um somit ein klareres Bild zu vermitteln. Es ist oft fraglich, ob beispielsweise bei veröffentlichten Renditezielen bei den Schreibenden und somit auch bei deren Adressaten Klarheit über den Zähler und Nenner der Renditeberechnung herrscht. So sind Eigenkapitalrenditen zu Buchwerten für einen Eigenkapitalgeber besonders gut geeignet, wenn das Marktwert-Buchwert-Verhältnis eins ist. Ansonsten ist es aussagekräftiger, wenn auch die Marktwert-Buchwert-Verhältnisse mit angegeben und in der Berechnung berücksichtigt werden. Daher verwundert es umso mehr, dass dies kaum beleuchtet wird und wie wenig Beachtung bedeutende langfristige Zukunftspotenziale finden. Nur weil die Zukunft schwerer greifbar ist, darf deren Einbezug in die Betrachtung nicht unter den Tisch fallen. Hier sind alle Kapitalnehmer und deren Unterstützer sicherlich noch in vielfältiger Weise gefordert, ein klareres Bild zu vermitteln. Beiträge, die diese Diskussion bereichern, sind herzlich willkommen.

Zu Beginn des neuen Jahres möchte ich mich ganz herzlich bei allen Autoren bedanken, die durch ihre Aufsätze und ihre aktive Mitarbeit zum Erfolg unserer Fachzeitschrift beitragen und durch ihre Arbeit einen wertvollen Beitrag zur Qualität und zum Nutzen leisten! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß und hoffentlich viele neue, wertvolle Einsichten bei der Lektüre von CORPORATE FINANCE biz und ein gutes, erfolgreiches Jahr 2013!

Für Kommentare und Anregungen können Sie gerne jederzeit auf die Kolleginnen und Kollegen im Herausgebergremium und mich zukommen,

Ihr Dirk Honold

Prof. Dr. Dirk Honold ist Schriftleiter und Mitherausgeber von CORPORATE FINANCE biz und Professur für Unternehmensfinanzierung an der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg. Er begleitet Wachstumsunternehmen auch als Mitgründer, Aufsichtsrat, Beirat und Coach insbesondere bei Finanzierungen mit Eigenkapital und M&A-Transaktionen.;

Prof. Dr. Dirk Honold

© CFB, Fachverlag der Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH 2013
Neu im CF-Fachportal
Finanzen im Mittelstand