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CFB vom 03.12.2012, Heft 08 , Seite 1 - 1, CFB0529160

DGF - Erfolgreiche Plattform zur Vorstellung aktueller Forschungsergebnisse



Von 05. bis 06.10.2012 fand in Hannover die 19. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Finanzwirtschaft (DGF) statt. Bei der DGF handelt es sich um einen gemeinnützigen Verein mit etwa 600 Mitgliedern, der die Förderung der finanzwirtschaftlichen Forschung und die Pflege internationaler Beziehungen im Bereich Finanzwirtschaft zum Ziel hat. Da ich in diesem Jahr die Ehre habe, der erste Vorsitzende dieses Vereins sein zu dürfen, berichte ich in diesem Editorial über die für Corporate Finance relevanten Aktivitäten. In einem Artikel in diesem Heft möchte ich Ihnen die teilweise sehr komplexen Forschungsergebnisse anschaulich und knapp vorstellen.

Dazu zählt eben, neben der finanziellen Unterstützung von Tagungsreisen junger Wissenschaftler, die jährliche Organisation einer Fachtagung und die Betreuung ausgewählter Doktoranden in einem speziellen Seminar. Auf der DGF-Tagung wird dem wissenschaftlichen Nachwuchs eine Plattform für die Vorstellung aktueller Forschungsergebnisse geboten. Dies wird auch durch erschwingliche Tagungsbeiträge unterstützt. Die Tagung verdeutlicht den in den letzten Jahren erheblich gewachsenen Konkurrenzdruck unter den jungen Wissenschaftlern. Von den eingereichten Forschungsarbeiten, die ausnahmslos in englischer Sprache verfasst sind, wurden 64% abgelehnt. Auch hat in den letzten Jahren die Internationalität der englischsprachigen Tagung deutlich zugenommen. So sind u.a. die Universitäten Cambridge, Sydney, Amsterdam, Harvard, HEC Paris, Yale, Boulder, INSEAD, Reading, Maastricht, Friboug, London, Tilburg, Rotterdam, Duke oder Columbia mit Beiträgen vertreten.

Auch die DGF vergibt ihren kleinen "Nobelpreis". Im Gegensatz zu den echten Nobelpreisträgern haben natürlich die Preisträger der DGF ihre Karriere noch vor sich. Aus den 103 angenommenen Forschungsarbeiten wurden zwei ausgewählt und mit dem Preis für das beste eingereichte Arbeitspapier ausgezeichnet. Die erste prämierte Arbeit von Simon Jurkatis (HU Berlin), Stephanie Krämer (FU-Berlin) und Dieter Nautz (FU-Berlin), Correlated Trades and Herd Behavior in the Stock Market, Arbeitspapier, Freie Universität Berlin, 2012, beschäftigt sich mit Herden-Effekten auf dem deutschen Aktienmarkt. Sie widerlegen die Behauptung, das Herdenverhalten institutioneller Marktteilnehmer würde sich negativ auf die Stabilität des Kapitalmarkts auswirken. Die Autoren zeigen vielmehr, dass die Reaktionen der Marktteilnehmer die Folge neuer kursrelevanter Informationen sind.

Die zweite prämierte Arbeit von Thomas Kick (Deutsche Bundesbank) und Esteban Prieto (Universität Tübingen), Bank Risk, Competition and the Macroeconomy: Evidence from Regional Banking Markets, Arbeitspapier, Deutsche Bundesbank, 2012, beschäftigt sich mit der aktuellen Fragestellung, ob sich Bankinsolvenzen durch wettbewerbsreduzierende Regulierung verhindern lassen. Die vorherrschende Forschungsmeinung geht davon aus, dass zunehmender Wettbewerb unter den Banken dazu führt, dass diese höhere Risiken tragen werden. In Zeiten der Finanzkrise ist dieser Nebeneffekt zunehmend unerwünscht geworden. Die Autoren greifen im Zeitraum 1994 bis 2010 auf die Datenbasis der Deutschen Bundesbank zurück, die alle Banken in Deutschland erfasst. Dabei nutzen die Autoren die Tatsache, dass der Wettbewerb unter den deutschen Banken einer erheblichen regionalen Schwankungsbreite unterliegt. Die Autoren meistern dabei einige Klippen, wie z.B. die Messung des Bankrisikos. Die Ergebnisse widersprechen aber der herrschenden Meinung. Ein fehlender Wettbewerbsdruck führt nicht dazu, dass die Banken weniger Risiken übernehmen. Dies ist ein deutlicher Hinweis für eine zukünftige Novellierung der Bankenregulierung.

Die prämierten Arbeiten verdeutlichen eindrucksvoll, dass die jungen Forscher nicht im Elfenbeinturm der praxisfernen Forschung sitzen, sondern praxisrelevante Forschungsbeiträge auf höchstem Niveau liefern. Sollte ich Ihr Interesse an den Arbeiten der Nachwuchswissenschaftler geweckt haben, so können Sie sich unter der Homepage www.dgf2012.de die Kurzfassungen aller Beiträge ansehen.

Vielleicht wollen Sie ja von 27. bis 28.09.2013 an der 20. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Finanzwirtschaft an der Bergischen Universität Wuppertal teilnehmen. Ich jedenfalls plane am 26.09.2013 eine Fahrt mit der Wuppertaler Schwebebahn über der Wupper. Am besten natürlich im Kaiserwagen wie einst Kaiser Wilhelm II am 24.10.1900 bei seiner kaiserlichen Probefahrt.

Ich wünsche Ihnen ein genussvolles und ertragreiches Lesen der aktuellen Ausgabe von CORPORATE FINANCE biz!

Ihr Klaus Röder

Prof. Dr. Klaus Röder ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insb. Finanzdienstleistungen, an der Universität Regensburg und Mitglied des Herausgebergremiums von CORPORATE FINANCE biz.

Prof. Dr. Klaus Röder

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