Contentpartner

Dieses Dokument zum Druck aufbereiten

CFB vom 09.07.2012, Heft 05 , Seite 1 - 1, CFB0481919

Corporate Bonds - Perspektiven der Mittelstandsfinanzierung


Liebe Leserinnen und Leser,

Prof. Dr. Jens Leker


im Vorfeld der Implementierung von Basel III erfährt das Thema Corporate Bonds gesteigertes Interesse. Die Wirkungen der neuen Regulierung - gerade auf die Finanzierung der mittelständischen Unternehmen - werfen hier ihre Schatten voraus. Es ist schon heute erkennbar, dass sich die Finanzierungsmodelle vieler Unternehmen stärker als in der Vergangenheit auf die Anleihemärkte richten.

Obwohl es Hinweise dafür gibt, dass aus Kostensicht das Finanzierungsinstrument Anleihe im Vergleich zum Konsortialkredit nicht notwendigerweise vorteilhaft ist, wie der Beitrag von Götz und Hartmann aus CORPORATE FINANCE biz Ausgabe 4-2012 darlegt, so gibt es doch vielfältige Gründe, die kapitalmarktbasierte Finanzierungsformen für mittelständische Unternehmen attraktiv erscheinen lassen:

So ermöglicht die Emission von Mittelstandsanleihen den Emittenten die Erschließung neuer Investorengruppen und führt zur Diversifikation der Finanzierungskanäle, wodurch die Unternehmen beispielsweise unabhängiger von ihrer Hausbank werden. Auch den Bedürfnissen der Investoren kommt diese Form der Finanzierung entgegen, bietet sie doch neben einer zusätzlichen Diversifikationsmöglichkeit die Hoffnung auf attraktive Renditen. Über Rendite- und Risikoaspekte hinaus, kann die Mittelstandsanleihe als Marketinginstrument zur Kundenbindung eingesetzt werden. So zeigt beispielsweise der Artikel von Weimar und Fox in Ausgabe 4-2012 von CORPORATE FINANCE biz, dass Anleihen, die von Fußballunternehmen emittiert werden, dazu geeignet sind Fans an ihre Vereine zu binden und so insbesondere emotionale Aspekte in der Investitionsentscheidung anzusprechen.

Das steigende Interesse an der Mittelstandsfinanzierung über den Kapitalmarkt deckt zugleich Schwachstellen auf, die im Verhältnis von Emittenten und Investoren noch einer Lösung bedürfen. So wird den spezifischen Bedürfnissen von Bondinvestoren bisher noch nicht genügend Rechnung getragen. Standardisierte bondspezifische Kapitalmarktkommunikation fehlt zumeist ganz, wie auch die generelle Informationsversorgung häufig dürftig ist. Auch die Frage der Unternehmens-Ratings für die mittelständischen Unternehmen wird weiter an Bedeutung gewinnen, so dass die Evaluierung und der Vergleich von Ratingmodellen wichtige Komponenten des Finanzierungs- bzw. Investmentprozesses bleiben. Kernaufgabe der Ratingagenturen ist der Abbau von Informationsasymmetrien bezüglich der Bonität von Unternehmen. Die Bedeutung von Ratings wird zusätzlich durch diverse regulatorische Bestimmungen verstärkt wie beispielsweise Basel II/III oder Anlagerichtlinien, die Investitionsentscheidungen der Restriktion unterwerfen, eine gewisse Mindestratingnote zu erfüllen.

Das 2. Corporate Bond Forum der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) hat sich im Juni 2012 mit beiden Themenkomplexen - der Bondkommunikation und den Unternehmens-Ratings - beschäftigt und spiegelt damit einen Gutteil der aktuellen Verbandsaktivitäten wider. Im Rahmen der Veranstaltung ging es um die Entwicklung der Märkte der mittelständischen Anleihen, die Verbesserung der Bondkommunikation und die Diskussion von Rating Standards. Zudem stellten die EUWAX und die Deutsche Börse als Handelsplattformen ihre Marktmodelle vor.

Als Standardsetter hat die DVFA bereits im Jahr 2011 mit den "Mindeststandards für Bondkommunikation" ein klares Signal an den Markt gegeben, die Kommunikation von Bondemittenten mit Investoren und Analysten zu verbessern. Diese Standards fanden Eingang in die Transparenzvorschriften des Entry Standards für Anleihen der Deutschen Börse und werden auch in die Vorschriften des geplanten Prime Standards für Anleihen Einzug finden. Vor kurzem haben die DVFA und der BVI darüber hinaus gemeinsam neue Standards für Unternehmensanleihen unter dem Schuldverschreibungsgesetz vorgestellt. Für eine detaillierte Diskussion dieser Standards sei auf den Artikel von Frank und Siebel in Ausgabe 4-2012 von CORPORATE FINANCE biz verwiesen.

In puncto Unternehmens-Rating hat die Rating Kommission der DVFA in den vergangenen Jahren Rating Standards erarbeitet, die eine Evaluierung von verschiedenen Ratingverfahren ermöglichen. Zielsetzung der DVFA ist dabei nicht die Bewertung der am Markt angebotenen externen oder der internen Ratingverfahren. Es soll vielmehr eine Kommunikationsplattform für alle am Ratingprozess beteiligten Finanzmarktakteure und die interessierte Fachöffentlichkeit geschaffen werden. Durch die Einhaltung der Rating Standards, die spezifische Anforderungen an die zugrundeliegenden Daten und die Modelle der Informationsverarbeitung stellen, soll die Transparenz der Ratingverfahren gestärkt werden.

Der Stellenwert von Corporate Bonds für die Mittelstandsfinanzierung wird in diesem Spannungsfeld von Vor- und Nachteilen bestimmt. Es gilt für Verbände und Fachzeitschriften gleichermaßen diesen spannenden Prozess weiter zu begleiten.

Ihr Jens Leker

Prof. Dr. Jens Leker ist Mitherausgeber von CORPORATE FINANCE biz und geschäftsführender Direktor des Instituts für betriebswirtschaftliches Management im Fachbereich Chemie und Pharmazie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, E-Mail: [email protected]

Prof. Dr. Jens Leker

© CFB, Fachverlag der Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH 2012
Neu im CF-Fachportal
Finanzen im Mittelstand