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CFB vom 10.04.2012, Heft 03 , Seite 1 - 1, CFB0469497

Wachstumsfinanzierung - Gibt es Wege für den Mittelstand?


Liebe Leserinnen und Leser,

Innovation und Expansion sind die Wachstumstreiber unserer Volkswirtschaft. Die Finanzierung von Wachstum ist nur begrenzt mit Fremdkapital möglich. Vor allem junge, innovative Unternehmen, einschließlich die durch Exist 4 geförderten Gründungen im Hightech-Bereich und die von den Gründerhochschulen motivierten Start-ups, brauchen auf jeden Fall Eigenkapital. Der Bedarf an Kapital bei bahnbrechenden Innovationen ist oft besonders hoch und lange Finanzierungsreichweiten sind die Regel. Auch mittelständische Unternehmen mit einer Geschäftshistorie brauchen teilweise Eigenkapital, da z.B. die bisherige Eigenkapitalquote keine weitere Fremdfinanzierung möglich macht oder die künftigen Free-Cash-Flows nicht zur Bedienung des Fremdkapitals ausreichen. Hinzukommt bei risikoreichen Wachstumsprojekten, dass alleine die Unsicherheit der Projekte und deren Belastung auf das Eigenkapital weiteres Eigenkapital notwendig macht: Andernfalls wäre eine grundsätzliche Gefährdung des gesamten Unternehmens nicht auszuschließen.

Vor dem Hintergrund stellt sich die Frage, ob Eigenkapital im hinreichenden Umfang verfügbar ist. Die grundsätzliche Verfügbarkeit ist sicherlich seit Ende 2008 reduziert. Auch Solvency II hat die Kapitalströme tendenziell weg von den Eigenkapitalmärkten gelenkt. Die Abgeltungssteuer belastet jetzt langfristige Investoren in Wachstumsunternehmen, deren Kursgewinne zuvor steuerfrei blieben. Wachstumsfinanzierung hat sich in besonderer Weise verteuert und ist erschwert worden. Um so mehr ist es zu begrüßen, dass die Bundeskanzlerin Mitte März eine Investitionszulage zur Finanzierung junger, innovativer Unternehmen angekündigt hat. Es bleibt abzuwarten, inwieweit die Verfügbarkeit von Risikokapital dadurch gestärkt wird. Dies wird auch zum Teil davon abhängen, ob sich diese Maßnahmen lediglich auf Business Angels beschränken oder ob auch Family Offices, VC- und PE-Gesellschaften gleichermaßen davon profitieren können. Aus volkswirtschaftlicher Sicht sollte generell die Bereitstellung von Kapital, das zur Finanzierung von Wachstum ins Unternehmen fließt, gefördert werden.

Derzeitig liegt Deutschland beim investierten Risikokapital in Relation zum BIP nur im europäischen Mittelfeld. Aufgrund dieses Mangels an Wagniskapital führt es gerade in kapitalintensiven Branchen und bei langfristigen Investments häufig dazu, dass trotz des Erreichens der inhaltlichen und finanziellen Ziele nicht immer eine Wertsteigerung resultiert. Des Weiteren sind dadurch die Bedingungen der Finanzierungsrunden oft sehr schlecht. Aktuell ist der Mangel an Risikokapital in Teilen so groß, dass Neuinvestoren in Folgefinanzierungsrunden die Bewertungen vorgeben und sich viele Sonderechte zu Lasten der Gründer und bisherigen Investoren sichern können.

Ebenso sind Minderheitsbeteiligungen in die mittelständische Wirtschaft schwierig. Die Zurückhaltung ist groß, wenn die Vertreter der Buy-Out-Fonds den für ihre Fälle berechtigten Dominanzanspruch einfordern. Dieser Anspruch ist für Minderheitsbeteiligungen jedoch nicht gegeben, aber dies ist bisher noch wenig visibel. Ein berechtigtes Hindernis können die Fondlaufzeiten sein, die relativ früh zur Ausübung von vereinbarten Exit-Rechten, wie z.B. Mitverkaufspflichten gegen den Mehrheitseigner, führen können. Sogenannte Evergreen-Fond-Strukturen sind hier hilfreich. Außerdem müssen sich die kapitalsuchenden Unternehmen gerade bei geringen Einflussmöglichkeiten der Kapitalgeber umso mehr an den Business Plänen messen lassen, was die Unternehmen aber häufig v.a. hinsichtlich der Planung und deren Werttreiber vor neue Herausforderungen stellt. Insgesamt betrachtet ist das Kapitalangebot für Minderheitsbeteiligungen trotz unterstützender Maßnahmen der KfW noch begrenzt. Die Kapitalgeber können somit weiterhin gute Rechtspositionen in den Sonderrechten durchsetzen. Aufgrund der erforderlichen Konkurrenzsituation beim Exit ist für alle Wachstumsunternehmen die Belebung des Aktienmarktes mit der Möglichkeit zum IPO ein wichtiger Erfolgsfaktor. Dies würde die Wertrealisation beim Exit und die Chance auf eine risikoadäquate Verzinsung des Kapitals für alle Kapitalgeber wesentlich verbessern. Dadurch würde eine Nachhaltigkeit in der Finanzierung entstehen und die Funktionsfähigkeit des Marktes verbessert werden.

Die geringe Aufarbeitung dieser Rahmenbedingungen für die Unternehmen durch Publikationen erschwert hier das gegenseitige Verständnis. Dem entsprechend ist ein Ziel von CORPORATE FINANCE biz hier künftig mit mehr Publikationen zum verbesserten Verständnis und somit zum Miteinander der Parteien beizutragen. Ich wünsche Ihnen viel Spaß und hoffentlich viele neue, wertvolle Einsichten bei der Lektüre dieser Ausgabe! Für Kommentare und Anregungen können Sie gerne jederzeit auf die Kolleginnen und Kollegen im Herausgebergremium und mich zukommen.

Prof. Dr. Dirk Honold ist Schriftleiter und Mitherausgeber von CORPORATE FINANCE biz und Professor für Unternehmensfinanzierung an der Georg-Simon-Ohm Hochschule. Er begleitet innovative und expansive Unternehmen auch als Aufsichtsrat, Beirat, Mitgründer und Coach.

Prof. Dr. Dirk Honold

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