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CFL vom 19.12.2011, Heft 08 , Seite 1 - 1, CFLCFL_1108M01A

Volatilität schwappt ins neue Jahr - anspruchsvolles Umfeld für Corporate Finance in 2012


Liebe Leserinnen und Leser,

das Jahr 2011 neigt sich dem Ende entgegen - ein Jahr, das für den deutschen Corporate Finance Sektor im besten Sinne des Wortes ambivalent gewesen ist, da sich die Marktbedingungen zur Jahresmitte fundamental veränderten.

Anfang 2011 hatte es noch berechtigte Hoffnungen auf eine Fortsetzung der positiven Marktentwicklung aus dem Vorjahr gegeben, wenngleich die schwelende Staatsschuldenkrise schon damals ein Störgefühl hinterließ. Erwartungsgemäß verliefen die ersten sechs Monate denn auch erfreulich für das Geschäft mit Loans, Bonds, Equity und M&A.; Auf Basis von Dealogic-Auswertungen waren in der ersten Jahreshälfte insgesamt rund 1.000 Transaktionen zu verzeichnen.

Fast exakt zur Jahresmitte aber wendete sich das Blatt. Die Staatschuldenkrise in Griechenland kulminierte und heizte zugleich Spekulationen über die Bonität der sog. PIGS-Staaten an. Seither befindet sich die globale Risikowahrnehmung, wie der Commerzbank-Index ARPI zeigt, auf Basis von sieben Asset-Klassen auf dem höchsten Stand seit der Lehman-Pleite und aktuell deutlich höher als in der Zeit ab Frühjahr 2010, als die Schuldenkrise erstmals zu eskalieren drohte.

Die stark gestiegene Volatilität in den Finanzmärkten hat dazu geführt, dass die Anzahl der Transaktionen auf dem deutschen Corporate Finance Markt im zweiten Halbjahr 2011 auf etwa 350 drastisch eingebrochen ist. Nach jüngsten Prognosen führender Volkswirte wird uns die Volatilität zumindest vorerst erhalten bleiben, was börslichen Kapitalmaßnahmen abträglich ist. Warum es dennoch Anlass zu Optimismus für das neue Jahr gibt, zeigt der CFL-Jahresausblick 2012 auf den folgenden Seiten.

Sobald sich die Volatilität an den Märkten gelegt hat, dürfte es wieder vermehrt zu Börsengängen kommen, zumal zahlreiche Kandidaten in der Warteschleife stehen. Mit Blick auf IPOs hat das diesjährige BGH-Urteil zum dritten Börsengang der Deutschen Telekom ("DT III") neue Fragen zur Prospekthaftung aufgeworfen. Wie damit umzugehen ist, beschäftigte den erstmalig einberufenen CFL-Arbeitskreis mit Experten aus Wissenschaft und Praxis. Dessen Einschätzungen und Empfehlungen finden Sie in dieser Ausgabe in unserem "DT III-Thesenpapier". Wie das DT III-Urteil aus österreichischer Sicht zu bewerten ist, behandelt Kalss in ihrem Aufsatz und kommt dabei zu einem liberaleren Ergebnis als der BGH.

Eigenkapitalmaßnahmen spielen in dieser CFL-Ausgabe auch in anderer Hinsicht eine Rolle: C. Schäfer befasst sich mit der Berichtspflicht des Vorstands nach Inanspruchnahme eines genehmigten Kapitals mit Bezugsrechtsausschluss und hält die insoweit vertretene Ansicht des OLG Frankfurt/Main für wenig überzeugend. Schlitt/S. Schäfer widmen sich aktuellen Entwicklungen bei Bezugsrechtskapitalerhöhungen und hierbei Lösungen zur kurzfristigen Eigenkapitalaufnahme - ein Themenfeld, das gerade mit Blick auf den perspektivischen Eigenkapitalbedarf vieler Industrieunternehmen und Finanzdienstleister von Relevanz ist.

Nach den im CFL-Jahresausblick 2012 mitunter geäußerten Prognosen stehen vermehrt öffentliche Übernahmen ins Haus. Dabei könnten die in den USA verbreiteten Contingent Value Rights auch für Angebote nach dem WpÜG als interessante Gegenleistung erscheinen. Sustmann sieht hierfür angesichts der volatilitätsbedingten Unsicherheit über Bewertungsfragen zunehmendes Potenzial.

Unsicherheit herrscht derzeit auch bei Mezzanine-Gläubigern, die nach einem Urteil des OLG Schleswig zur Freigabe ihrer Sicherheiten verpflichtet sein können. Was dies für die Vertragsgestaltung bedeutet, analysieren Flatten/Münch. Abschließend untersucht Fiedler eine aktuelle BGH-Entscheidung, wonach Darlehensforderungen auch seitens Nichtbanken durch Abtretung erworben werden können - ein Judikat, das für Non-Performing Loans und Distressed Debt Transaktionen bedeutsam ist.

Liebe Leserinnen und Leser, in volatilen Zeiten gewinnen Phasen der Ruhe und des Innehaltens an Bedeutung. In diesem Sinne darf ich Ihnen im Namen der Herausgeber von CFL ein besinnliches Weihnachtsfest sowie einen kraftvollen Start in ein erfolgreiches und glückliches Jahr 2012 wünschen.

Dr. Rüdiger Theiselmann

© CFL, Fachverlag der Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH 2012
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