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CFB vom 12.09.2011, Heft 06 , Seite 1 - 1, CFB0457968

Ein Schritt zu mehr Verbindlichkeit in der Nachhaltigkeitsberichterstattung


Liebe Leserinnen und Leser,

eine Vielzahl von Studien belegt, dass es zwischen finanzieller Performance und Nachhaltigkeit einen positiven Zusammenhang geben kann. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass Investoren und Analysten verstärkt die Messbarkeit der Unternehmensperformance im Hinblick auf Nachhaltigkeit einfordern, um diese Informationen in die Analysemodelle zu integrieren. Indikatoren zu Umwelt, Gesellschaft und Unternehmensführung (ESG = Environment, Social, Governance) haben deshalb an Bedeutung für die Unternehmensanalysen und Finanzmarktentscheidungen gewonnen.

Für 2012 wird auf EU-Ebene mit einer verbindlichen Regelung der Nachhaltigkeitsberichterstattung gerechnet, was den politischen Druck auf Unternehmen erhöht. Wie die Standardisierung der Nachhaltigkeitsberichterstattung aussehen kann und was überhaupt mit dem Bezeichnung einer nachhaltigen Unternehmensführung gemeint ist, wird aktuell von verschiedenen Stakeholdergruppen diskutiert. Kapitalmarktteilnehmer und Unternehmen sind sich zumindest darin weitgehend einig, dass Nachhaltigkeit als Teil des Geschäftsmodells der Unternehmen und nicht als deren philanthropisches Engagement zur Förderung sozialer Belange einzuordnen ist.

Die breite Definition des Begriffs der Nachhaltigkeit und die zum Teil schwierige Überprüfbarkeit der berichteten Indikatoren können zu Irritationen bei Investoren, aber auch bei Unternehmen führen. Konkurrierende Bewertungen gehen teilweise mit schlechterer Vergleichbarkeit sowie mit einem Mehraufwand in der Analyse einher. Daher gibt es ein breites Interesse an einer allgemein gültigen Orientierung der Berichterstattung, die vergleichbare Informationen liefert und einen Rahmen für Unternehmen schafft zu kommunizieren, wie sie Nachhaltigkeit im Unternehmen umsetzen.

In Deutschland entwickelt der Rat für nachhaltige Entwicklung zurzeit in Zusammenarbeit mit Vertretern der Unternehmen und des Finanzmarktes den Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK). Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex beschreibt die Kernanforderungen an das Nachhaltigkeitsmanagement von Unternehmen. Er ist ein Standard für Transparenz über Nachhaltigkeitsmanagement und erleichtert Kapitalmarktteilnehmern die Beurteilung nicht-finanzieller Chancen- und Risikofaktoren. Wesentliches Element ist, dass der Kodex an bestehende, einschlägige internationale Standards (UN Global Compact, ISO 26000) und Berichterstattungsstandards (GRI, EFFAS) anknüpft.

Der DNK soll für börsennotierte und kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie für große Unternehmen (ab einer gewissen Größenordnung, denkbar ist die Einteilung gemäß der KMU-Definition der Europäischen Kommission oder bei einer nationalen Regelung gemäß §267 HGB) unabhängig von der Rechtsform gelten. Der Einbezug auch nicht börsennotierter Gesellschaften spiegelt damit die Struktur der deutschen Wirtschaft wider. Da der DNK Mindestanforderungen an das Nachhaltigkeitsmanagement und die -berichterstattung beschreibt, kann er auch von KMUs eingesetzt werden. Die Unternehmen erklären für das jeweilige Kodexkriterium entweder die Übereinstimmung ("comply") oder die Begründung für eine Abweichung ("explain"). Dieses erfolgt in einer jährlichen Entsprechenserklärung für den DNK.

Zur Verbesserung der Vergleichbarkeit und Interpretation der Berichterstattung sind für die Kodexkriterien quantitative Leistungsindikatoren angegeben, die in der Entsprechenserklärung zu berichten sind. Die sektorspezifische Anpassung erfolgt durch die Berichterstattung im Rahmen der branchenspezifischen Ergänzungen existierender Standards. Anreize zur Kodexerfüllung liegen vorwiegend in der Honorierung durch den Markt, beispielsweise durch die Aufnahme in Aktienindizes, durch die Erschließung neuer Investorengruppen oder durch die Vereinfachung der Auswahl von Lieferanten, allerdings sind auch Anreize in anderer Form denkbar. Wenn die öffentliche Hand Anreize setzt, den Markt für nachhaltige Geldanlagen in Deutschland weiter zu entwickeln, kann die Vorarbeit durch den DNK einen Anknüpfungspunkt liefern.

Zum Abschluss des Entwicklungsprozesses findet ein Multistakeholderforum statt, bei dem die verschiedenen Implementierungsvarianten diskutiert werden, die von der Integration der Nachhaltigkeitsberichterstattung in den Lagebericht des Geschäftsberichts bis hin zur freiwilligen Selbstauskunft der Unternehmen in einem separaten Bericht reicht. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung wird dann gegenüber der Bundesregierung eine Empfehlung über die weitere Nutzung des Deutschen Nachhaltigkeitskodex abgeben. Es ist zu erwarten, dass mit dem DNK eine praktikable Basis für die Berichterstattung geschaffen wird, die die Diskussion über die weitere Standardisierung der Nachhaltigkeit bereichert.

In CORPORATE FINANCE biz werden wir Sie weiterhin über die Entwicklungen beim Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) auf dem Laufenden halten. Eine nachhaltig interessante Lektüre wünscht Ihnen

Ihr Alexander Bassen E-Mail: [email protected]

Univ.-Prof. Dr. Alexander Bassen, ist Mitglied im Herausgebergremium von CORPORATE FINANCE biz und Inhaber der Professur für Allgemeine Betriebswirtschaftlehre mit Schwerpunkt Finanzierung/Investition an der Universität Hamburg.

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