Contentpartner

Dieses Dokument zum Druck aufbereiten

CFB vom 11.04.2011, Heft 03 , Seite 1 - 1

Bewertungsspielräume führen zu höheren Anforderungen an Methoden-, Sach- und Marktkenntnis


Liebe Leserinnen und Leser,

vor Ihnen liegt die Ausgabe 3 der CF biz des Jahres 2011. Schwerpunkt dieses Heftes ist das Thema Bewertung.

Im Verlauf der Weiterentwicklung der nationalen und internationalen Rechnungslegungsvorschriften hat das Fair Value-Konzept immer stärkere Bedeutung erlangt. Damit haben auch die aus der Unternehmensbewertung bekannten Verfahren der Wertermittlung Eingang in die Bilanzierung und Rechungslegung gefunden. Nicht alle waren und sind darüber glücklich. Im Verlauf der Finanzkrise wurden einige mit dieser Entwicklung verbundene Probleme deutlich: Die mit diesen Bewertungsmethoden verbundenen, aus Preisverhandlungen bei Unternehmenstransaktionen bekannten und beklagten Bewertungsspielräume fanden stärkeren Eingang in die Jahresabschlüsse der Unternehmen. Einige Kollegen und Praktiker beklagen die bei der Bewertung für Bilanzierungszwecke fehlende "Countervailing Power": Im Gegensatz zur Unternehmensbewertung bei Kaufpreisverhandlungen existiert keine "Gegenpartei" als Korrektiv, das einer gezielten Ausnutzung von Spielräumen durch den Bewerter entgegenwirken könnte. Hier rückt der Abschlussprüfer in das Blickfeld: Die größeren Bewertungsspielräume führen zum einen zu höheren Anforderungen an die Sachkenntnis bezüglich der anzuwendenden Bewertungsmethoden. Auf der anderen Seite steigen jedoch auch die Anforderungen an die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers bei der Überprüfung der von den Unternehmen vorgeschlagenen Wertansätze. Man wird die Entwicklung der Rechnungslegungsvorschriften hin zur stärkeren Bedeutung des Fair Value-Konzeptes kaum umkehren können. Ob sie zu einer Verbesserung der "True and Fair View" führen wird, ist zu guter Letzt auch von den Wirtschaftsprüfern abhängig. Konzepte der Unternehmensbewertung und deren Anwendung im Bereich der Rechnungslegung werden deshalb auch in den kommenden Jahren breiten Raum in dieser Zeitschrift einnehmen.

Diller/Kundisch/Späth greifen mit dem Einfluss der Steuergesetzänderungen auf den Unternehmenswert ein aktuelles Thema auf. Nachdem der Effekt der Einführung und Anpassung der Zinsschranken-Regelung auf den Unternehmenswert bereits intensiv analysiert wird, untersuchen die Autoren die Wirkung der mit dem WaBschG verbundenen Änderungen des KStG auf den Wert von Verlustgesellschaften.

Zwirner/Mugler behandeln die Bewertungsspielräume bei der Bewertung von Vermögensgegenständen in IFRS Jahresabschlüssen. Die empirische Studie gibt eine Übersicht über die Wahl des Kapitalisierungszinsfusses bei der Bewertung und Überprüfung des Goodwill-Ansatzes.

Höllbacher untersucht die Kapitalmarkt-Performance von IPOs auf dem deutschen Kapitalmarkt über einen Zeitraum von 1983 bis 2009; die Studie belegt den aus anderen Untersuchungen bereits bekannten Underpricing-Effekt.

Zu den oben angesprochenen und weitgehend bekannten Spielräumen bei der Unternehmensbewertung tritt nach einer Untersuchung von Watrin/Stahlberg/Kappenberg noch ein weiterer, bislang weitgehend unbekannter Effekt: das Ergebnis der empirischen Schätzung von Beta-Faktoren hängt nach den Ergebnissen der Autoren stark vom gewählten Wochentag ab, der für die Ermittlung der wöchentlichen oder monatlichen Rendite herangezogen wird. Um die damit verbundenen Manipulationsmöglichkeiten einzudämmen, wird die Ermittlung von Durschnittwerten empfohlen.

Varmaz/Fieberg demonstrieren die Bewertung von Optionen und Zertifikaten mit Hilfe von Monte Carlo-Simulationen.

Unter der Rubrik "TOOLS" gibt es zwei Beiträge: Karl gibt einen Überblick über öffentliche Übernahmen in Deutschland für das 2. Halbjahr. Aders/Schwetzler untersuchen im FO-Monitor 2010 Inhalt und Ausgestaltung von Fairness Opinions, die im Zusammenhang mit Stellungnahmen nach § 27 WpÜG von Organen der Zielgesellschaft bei Übernahmeangeboten erstellt wurden.

Nach dem Zusammenbruch des Marktes für strukturierte Finanzprodukte warten viele Marktteilnehmer mit Spannung auf die fälligen Refinanzierungen für Programm-Mezzanine Finanzierungen bei deutschen Unternehmen. Die Studie von Hommel/Nohtse/Schneider analysiert daraus entstehende zusätzliche Finanzierungsbedarfe und die Präferenzen der Unternehmen für deren Deckung.

Hayn/Laas/Cremer untersuchen in ihrem Beitrag die Behandlung des Goodwill in Zeiten der Finanzmarktkrise und analysieren alle Akquisitionen und Goodwill Impairments der 600 größten europäischen Unternehmen (STOXX Europe 600) im Zeitraum 2005 bis 2009 und entwickeln eine Art "Wettervorhersage" - für die Aussichten für potenzielle Goodwill-Abschreibungen.

Ihr Bernhard Schwetzler E-Mail: [email protected]

Prof. Dr. Bernhard Schwetzler

© CFB, Fachverlag der Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH 2009
Neu im CF-Fachportal
Finanzen im Mittelstand