Contentpartner

Dieses Dokument zum Druck aufbereiten

CFL vom 27.09.2010, Heft 6 , Seite 1 - 1

Zwei Jahre nach Lehman - Goldener Herbst?


Liebe Leserinnen und Leser,

das dritte Quartal 2010 brachte zum Ende noch einmal starke Bewegung in die Finanzwelt. Zwei Jahre nach dem Zusammenbruch der US Investment Bank Lehman Brothers und seitdem schwächelnder Kapitalmärkte hat die Deutsche Bank ein eindrucksvolles Zeichen an die Financial Community gesandt, indem es die größte Aktienemission seit dem zweiten Börsengang der Deutschen Telekom im Jahr 1999 beschlossen hat. Die Kapitalerhöhung soll in erster Linie der Finanzierung der geplanten Konsolidierung der Postbank dienen und darüber hinaus die Kapitalbasis mit Blick auf regulatorische Änderungen und künftiges Wachstum stärken.

Ginge es nach den im Baseler Ausschuss vertretenen internationalen Aufsehern und Notenbanker, sollten sich die im Zuge der vergangenen Monate intensiv diskutierten Fragen über eine ausreichende Kapitalausstattung von Kreditinstituten in Zukunft nicht mehr stellen. Am 12.09.2010 haben sich die Ausschussmitglieder in der Schweiz auf neue Regeln und Kapitalquoten für Banken geeinigt. Das unter dem Namen "Basel III" bekannte Regelwerk soll dafür sorgen, dass die Geldhäuser für künftige Krisen besser gewappnet sind. Basel III sieht vor, dass die neuen Mindesthürden für das Eigenkapital von 2013 an schrittweise eingeführt werden sollen, so dass sich die Banken durch Einbehaltung von Gewinnen und Kapitalerhöhungen rechtzeitig darauf vorbereiten können. Es ist zu erwarten, dass weitere Kreditinstitute sich am Beispiel der Deutschen Bank orientieren und schon bald Maßnahmen zur Stärkung ihrer Eigenkapitalbasis ergreifen werden. In einer Welt globaler Finanzmärkte kann Basel III dabei natürlich nur ein Bestandteil der im Zuge der Finanzmarktkrise geforderten neuen Finanzmarktarchitektur sein. In den USA verabschiedete der Kongress bereits im Juli umfassende Neuregelungen für Banken und Märkte. In Europa treten bis Ende des Jahres erste Regeln für Rating-Agenturen in Kraft. Auch im Hinblick auf die umstrittenen Leerverkäufe will die EU-Kommission einheitliche Regeln schaffen. Bankenabgabe und Finanzmarktsteuer sind nur zwei der umstrittenen Vorhaben, die gleichzeitig beleuchten, dass es bis zu einem Konsens hinsichtlich der zu treffenden Maßnahmen noch ein weiter Weg ist.

Kapitalmaßnahmen werden aber nicht nur auf den Bankensektor beschränkt bleiben. Mit den Bezugsrechtsemissionen der Heidelberger Druckmaschinen AG und der Sky Deutschland AG wurde das 2. Halbjahr bei Corporate-Emissionen erfolgreich eingeläutet. Es ist zu erwarten, dass bis zum Jahresschluss weitere Unternehmen ihrem Beispiel folgen werden. Die Anleihe der Hannover Re nährt die Hoffung auf einer Renaissance von Hybridanleihen.

Ähnlich vielseitig, auch, aber nicht nur in regulatorischer Hinsicht, ist die Themenauswahl der aktuellen Ausgabe von CORPORATE FINANCE law. Hünermann/Dietrich befassen sich mit den angesprochenen aktuellen Rechtsentwicklungen in den USA und den Auswirkungen auf europäische Unternehmen. Insbesondere der im Juli verabschiedete Dodd-Frank-Act stellt global agierende europäische Unternehmen vor neue Herausforderungen. Beleuchtet werden zahlreiche Neuregelungen und rechtspolitische Hintergründe. Der Beitrag erläutert dabei insbesondere Vorschriften für das bislang unregulierte OTC-Derivate-Geschäft und deren Konsequenzen für im US-amerikanischen Derivate-Handel tätige ausländische Unternehmen. Die Autoren zeigen, dass der viel zitierte Blick über den Tellerrand auch für Ratingagenturen, deren Ratings nunmehr verbindlich in die Prospekte einbezogen werden sollen, lohnenswert ist. Dass es in Deutschland bislang an einem einheitlichen Private Equity-Gesetz fehlt, beleuchten Klebeck/Jesch in einem Beitrag zur Vermögensallokation institutioneller Investoren. Dass dabei zwischen Investorengruppen zu differenzieren ist, zeigen die Autoren instruktiv auf. In Anknüpfung an den Beitrag von Etgen aus der letzten Ausgabe, wechseln Schroeder/Wang-Metzner den Blickwinkel und beleuchten die Hintergründe und das regulatorische Umfeld für M&A-Transaktionen; in Deutschland aus der Sicht akquirierender chinesischer Unternehmen. Dabei werden die spezielle Motivationslage und sich daraus ergebende Besonderheiten hinsichtlich der Durchführung einer Unternehmenstransaktion erläutert.

Aus dem Bereich der Unternehmensfinanzierung bringt der Beitrag von Burg/Marx eine weitere Facette zum Thema Debt Equity Swap. Die Autoren behandeln die Frage, ob dieser im Wege einer (Bar-)Kapitalerhöhung mit Ersetzungsbefugnis durchführbar ist. Hiort beleuchtet in der Rubrik TOOLS rechtliche und praktische Aspekte im Zusammenhang mit Kapitalerhöhungen und Cash-Pooling. Der Rechtsleitfaden für Geschäftsführer und Manager wird von Theiselmann fortgeführt und erläutert in der aktuellen Ausgabe die Pflichten der Geschäftsleitung bei der Rechnungslegung. Hier ergeben sich Besonderheiten für Manager kapitalmarktorientierter Unternehmen.

Gemeinsam mit meinen Mitherausgebern hoffe ich, Ihnen auch in dieser Ausgabe interessante Themen, mit teilweise internationaler Ausrichtung, präsentieren zu können. Ich wünsche Ihnen allen viel Freude bei der Lektüre und im Hinblick auf Ihre Projekte einen goldenen Herbst.

Mit herzlichen Grüßen Ihr Michael Schlitt

Prof. Dr. Michael Schlitt

© CFL, Fachverlag der Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH 2009
Neu im CF-Fachportal
Finanzen im Mittelstand