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CFL vom 30.08.2010, Heft 5 , Seite 1 - 1

Zweite Halbzeit 2010 - Konterchance oder erneuter Rückstand?


Liebe Leserinnen und Leser,

sicherlich haben auch Sie die Sommermonate dazu genutzt, auf die erste Hälfte des Jahres 2010 zurückzublicken und sich gefragt, welche Entwicklungen für den Rest des Jahres zu erwarten sind. Die Einschätzung dürfte nicht leicht zu treffen sein, ergibt sich doch ein eher zwiespältiges Bild. So hat das Jahr mit einer Reihe großvolumiger Kapitalmarkttransaktionen begonnen. Auch größere Börsengänge waren zu verzeichnen. Dagegen war das M&A-Gesch;äft eher schleppend. Die Anfang des Jahres vereinzelt prognostizierte Übernahmewelle ist bislang ausgeblieben, herausragende Transaktionen gab es nur wenige. Diese standen vielfach im Kontext der Konsolidierung von Branchen, die von der Krise besonders betroffen waren. Beispiele sind die Überkeuzbeteiligung zwischen Daimler und Renault/Nissan sowie die Fusion im österreichischen Bankensektor zwischen der RZB und der Raiffeisen International. Weitgehend prägt Zurückhaltung das Bild - denn es überwiegt nach wie vor die Unsicherheit über die Entwicklung der Kapitalmärkte und der Realwirtschaft. Auf den Aktienmärkten ist der Anstieg der Kurse seit Anfang des Jahres ab Mai einer Seitwärtsbewegung mit kurzzeitigen Ausschlägen nach oben und unten gewichen. Positive Konjunkturprognosen wechseln sich ab mit düsteren Arbeitsmarktzahlen aus den USA. Uneinigkeit besteht, ob sich die Weltwirtschaft (noch?) auf dem aufsteigenden Ast eines "V" oder in der Mitte eines "W" befindet und der berüchtigte "Double Dip" unmittelbar bevorsteht. Ins uneinheitliche Bild passt, dass gegenwärtig die deutsche Exportwirtschaft boomt und insbesondere durch hohe Nachfrage aus China angeheizt wird.

Dieses gemischte wirtschaftliche Umfeld prägt auch die Themenauswahl der aktuellen Ausgabe von CORPORATE FINANCE law. Gerade in unsicheren Zeiten sind Prognosen über die zukünftigen Geschäfts-, Umsatz- und Ertragsaussichten ein wichtiges Mittel der Kapitalmarktkommunikation und wesentliche Grundlage von Investitionsentscheidungen. Freilich sind sie insbesondere in einer Marktsituation wie der aktuellen schwer zu treffen und bergen damit eine erhöhte Gefahr, nicht einzutreten. Daher beleuchten Seibt/Huizinga die rechtlichen Rahmenbedingungen von Prognosen im Kapitalmarktrecht und entwickeln aus kaum aufeinander abgestimmt scheinenden Einzelregelungen ein Gesamtsystem der Prognoseberichterstattung. Risiken aus der Unsicherheit über künftige Entwicklungen stellen auch den Aufhänger des Beitrages von Stafflage/Lappe dar, der die Bedeutung von Fairness Opinions im Transaktionsgeschäft aufzeigt. Diese stellen ein von Unternehmensorganen immer stärker genutztes Mittel dar, größere Gewissheit über die Angemessenheit der Konditionen einer Unternehmenstransaktion zu gewinnen und sich gegen Haftungsrisiken abzusichern. Der Beitrag konkretisiert die rechtliche Bedeutung von Fairness Opinions anhand der Anforderungen an unternehmerische Einschätzungen im Aktienrecht und bei Unternehmensübernahmen. Ferner werden die dazu entwickelten berufsständischen Vorgaben erläutert.

Mit der Verflechtung von M&A-Gesch;äft und Corporate Governance setzt sich Nordhues auseinander. Er arbeitet heraus, welche Interessenkonflikte im Aufsichtsrat bei Unternehmenstransaktionen entstehen können. Anhand aktueller Fälle werden die rechtlichen Anforderungen skizziert und Lösungsmöglichkeiten entwickelt. Die eingangs angesprochene Bedeutung Chinas für die deutsche Wirtschaft nimmt Etgen zum Anlass seiner Ausführungen über M&A-Transaktionen; in China.

Aus dem Zusammentreffen von Aktien- und Kapitalmarktrecht entstehende Konflikte sind Gegenstand des Beitrages von Schlitt, der das Dreiecksverhältnis zwischen abgebendem Aktionär, Gesellschaft und Konsortialbanken bei der Umplatzierung von Aktien im Rahmen eines öffentlichen Angebotes analysiert.

Die aktuelle Ausgabe von CORPORATE FINANCE law widmet sich ferner den für kapitalmarktorientierte Unternehmen immer bedeutsamer werdenden Fragen der Compliance. Gestiegene Anforderungen des Kapitalmarktrechts, verschärfte Korruptionsbekämpfung sowie die erhöhte Kontrolldichte im Kartellrecht haben dazu geführt, dass auch außerhalb der Finanzbranche Unternehmen begonnen haben, Compliance-Funktionen einzurichten, um die Einhaltung der rechtlichen Vorgaben durch das Unternehmen sicherzustellen. Kuthe/Zipperle geben einen Überblick über die Mindestanforderungen der BaFin an die Compliance von Finanzdienstleistungsunternehmen und untersuchen, inwieweit daraus Vorgaben für kapitalmarktorientierte Unternehmen außerhalb der Finanzbranche abgeleitet werden können. Schließlich stellen Haisch/Bindl in ihrem Beitrag über die Besteuerung des Zinsstripping bei Anleihen die Auswirkungen aktueller Änderungen im Steuerrecht auf die Besteuerung von abtrennbaren Zinsforderungen bei sog. stripbaren Anleihen dar.

Gemeinsam mit meinen Mitherausgebern bin ich zuversichtlich, einen interessanten Strauß aktueller Themen zusammengestellt zu haben. Ich hoffe, dass Sie Freude an der Lektüre finden.

Mit herzlichen Grüßen

Dr. Andreas Meyer

© CFL, Fachverlag der Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH 2009
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