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CF vom 07.04.2015, Heft 04 , Seite 111 - 114

Ein Plädoyer für Aktien - oder sind Hochzinsanleihen eine Alternative?

Seit vielen Jahren ist bekannt, dass Aktien langfristig die wohl beste Anlageform darstellen. Dennoch fehlt institutionellen und privaten Anlegern häufig die Entschlossenheit, sich verstärkt im Aktienmarkt zu engagieren. Der Beitrag soll daher als Plädoyer für die Aktie dienen sowie mit den Hochzinsanleihen eine weitere interessante Anlageform präsentieren, die als echte Alternative zum Aktienmarkt gewählt werden könnte.

Gliederung

I.Einleitung
II.Hochzinsanleihen als Alternative zu Aktien
III.Empirische Untersuchung
IV.Zusammenfassung

Einleitung

Auf der Suche nach geeigneten Investitionsmöglichkeiten in der aktuellen Niedrigzinsphase müssen sich institutionelle und private Anleger vermehrt auf den Bereich von Aktien und Unternehmensanleihen fokussieren. Bei Aktien ist schon lange Zeit bekannt, dass sie langfristig wohl die beste Anlageform darstellen. Eine aktuellere Studie - durchgeführt von Elroy Dimson, Paul Marsh und Mike Staunton von der London Business School - zeigt dies nochmals eindrucksvoll für einen 111-jährigen Untersuchungszeitraum vom Jahr 1900 bis zum Jahr 2010 für insgesamt 19 Industriestaaten - darunter unter anderem auch die USA und Deutschland. Im gewählten Untersuchungszeitraum waren die Aktienrenditen denen von kurz- und langfristigen Staatsanleihen deutlich überlegen. Eine ältere Studie von Jeremy J. Siegel - Finanzprofessor an der Wharton School der University of Pennsylvania - bestätigt ebenfalls, dass Aktien über einen Zeitraum von 1802 bis 1990 andere Anlagen nominal und real outperformten. Ähnliches zeigt sich auch auf der Internetpräsenz von Campbell R. Harvey - Finanzprofessor an der Duke University. Hier ist dargestellt worden, was aus einem investierten USD im Zeitraum von 1925-1995 mit Aktien, langlaufenden Unternehmens- und Staatsanleihen sowie kurzfristigen Staatsanleihen geworden wäre. Das Ergebnis spricht wiederum eindeutig für Aktien.

Daneben weist ein aktueller Beitrag des renommierten US-Finanzmagazins Barron's auf die Forschungsergebnisse von Jeremy J. Siegel in Zusammenarbeit mit Jeremy Schwartz hin, die in ihren Untersuchungen feststellen konnten, dass Aktienmarktinvestoren mit einem längeren Anlagehorizont (mehr als 15 Jahre) bei Reinvestition von Dividenden nie einen Verlust mit ihren Investments im Aktienmarkt erlitten hätten. Damit stellen in einer Zeit, in der Bankeinlagen kaum noch verzinst werden und lange Zeit sicher geglaubte Staatsanleihen lediglich mit niedrigen Renditen aufwarten können, Aktien eine wahrhaft interessante Anlageform dar - gerade für langfristig orientierte Anleger.

Im Rahmen seiner Untersuchungen zum Aktienmarkt stellte sich Siegel noch eine weitere spannende Frage: Welche Einzelaktien wären langfristig wohl die besten Investments gewesen? Für einen Zeitraum vom Jahr 1925 bis zum Jahr 2003 wies bei Reinvestition von Dividenden der Tabakkonzern Philip Morris (heute zur Altria Group gehörend) die beste Rendite auf. Eine Anlage von nur 1.000 USD im Jahr 1925 in Aktien von Philip Morris schuf bei Wiederanlage der Ausschüttungen bis zum Jahr 2003 ein Vermögen von stolzen 250 Mio. USD. Weitere Topaktien - diesmal im Zeitraum von 1950 bis zum Jahr 2003 - waren laut Siegel bspw. der Nahrungsmittelgigant Kraft Foods, der Tabakkonzern Reynolds, der Ölförderer Exxon Mobil und der Getränkeproduzent Coca-Cola. Auffällig dabei ist, dass es sich fast ausschließlich um sogenannte defensive Konsumaktien handelt, mit denen überdurchschnittliche Anlageergebnisse über die Jahrzehnte möglich waren. Da Hersteller von Konsumartikeln jedoch Produkte produzieren und verkaufen, die täglich von jedermann benötigt werden und da die Weltbevölkerung die letzten Dekaden stetig anstieg, war auch ein Wachstum im Konsumgüterbereich insbesondere für die großen Hersteller mit bekannten Marken möglich. Die Weltbevölkerung wird laut den Prognosen der UNO auch in Zukunft weiter wachsen. Somit ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch die Gewinne und Ausschüttungen von bekannten Konsumgüterproduzenten langfristig steigen, wovon letztlich die Aktionäre profitieren sollten. Daneben zeigen viele Konsumgüterhersteller stabile Dividenden und dies teils über Jahrzehnte hinweg und einige Unternehmen konnten ihre Ausschüttungen über die Jahre hinweg stetig erhöhen.

Langfristig orientierte Investoren, die ein Investment in Einzeltitel erwägen, sollten sich jedoch auch immer der Problematik bewusst sein, dass neben vielen Unwägbarkeiten und Risiken bei einer Investition in Einzeltitel auch die Lebensdauer vieler Unternehmen im Durchschnitt nicht sonderlich hoch ist und so manche Aktien vom Kursticker gestrichen werden könnten. So stellte de Geus - ehemaliger Stratege beim Ölgiganten Royal Dutch Shell - bspw. in einer Studie fest, dass selbst multinationale Großunternehmen lediglich nur eine durchschnittliche Lebenserwartung von 40-50 Jahren hätten und entweder durch Zusammenschlüsse, Übernahmen oder durch Insolvenz verschwinden. Lediglich eine kleine Anzahl an Unternehmen schafft es eine höhere Lebenserwartung als bspw. der Durchschnittsmensch zu erzielen. Unabhängig von der Größe der Unternehmen liegt die mittlere Lebenserwartung der Unternehmen sogar nur bei 12,5 Jahren.

Viele der sogenannten Dividenden-Aristokraten - also Unternehmen, die seit Jahrzehnten regelmäßig eine Dividende zahlen und diese auch stetig erhöhen konnten - gehören jedoch zu den Unternehmen, die bereits deutlich älter als 50 Jahre sind. Hierzu zählen beispielshalber die Konsumgüterhersteller Colgate-Palmolive und Procter & Gamble, der Pharma- und Medizintechnikriese Johnson & Johnson oder der Getränkegigant Coca-Cola. Diese Unternehmen sind für langfristig orientierte Anleger interessant und bieten einen gewissen Schutz davor, in der nächsten Zeit vom Kurszettel zu verschwinden.

Trotz der bemerkenswerten Ergebnisse und dem Beleg, dass Aktien langfristig wohl die beste Anlageform zu sein scheinen und so manche Einzeltitel in der Historie lohnenswerte Investments waren und ggf. diese oder eine ähnliche Performance auch in der Zukunft aufweisen könnten, ist die Entschlossenheit sich am Aktienmarkt zu engagieren, bei den institutionellen und privaten Anlegern eher gering. So lag bspw. der Aktienanteil an den gesamten Kapitalanlagen bei den deutschen Versicherungsunternehmen laut dem Statistischen Taschenbuch der Versicherungswirtschaft gerade einmal bei 3,5%. Ähnlich sieht es bei den privaten Anlegern aus. Laut der zuletzt frei im Internet verfügbaren Statistik des Deutschen Aktieninstituts (DAI) sind lediglich 6,4% der Deutschen direkt in Aktien investiert. Einer großen Mehrheit der Anleger ist scheinbar die Schwankungsanfälligkeit von Aktien zu hoch - anders lässt sich wohl kaum erklären, wieso die Aktienquoten dermaßen niedrig sind. Tatsächlich kam es gerade seit der Jahrtausendwende zu erheblichen Turbulenzen am Aktienmarkt, was sich als Berg- und Talfahrt in den Kurscharts widerspiegelt. Doch auch wer im Jahr 2000 zu Höchstkursen in den großen breiten amerikanischen oder deutschen Aktienmarkt eingestiegen wäre, hätte nach 15 Jahren und damit Ende 2014 keinerlei Verluste nach Reinvestition der Dividenden am Aktienmarkt gemacht. Im Gegenteil: Trotz des Einstiegs am zyklischen Hochpunkt zu Beginn des Jahres 2000, wäre ohne Herausrechnung der Teuerungsrate sogar ein ordentliches Plus entstanden. Dieses Bild ergibt sich bspw. bei der Betrachtung des S&P; 500 Total Return Index© oder des Deutschen Aktienindex DAX® - der per se ein Performanceindex ist.


Informationen zu den Autoren

Mario Zakrewski ist Diplom-Handelslehrer und tätig als Akademischer Mitarbeiter in Mannheim.

Dr. Andreas Humpe ist als Portfoliomanager in München tätig und Research Affiliate in St Andrews.


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