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CF vom 02.03.2015, Heft 03 , Seite 75 - 82

Paritätenrisiko als unterschätztes Währungsrisiko - Eine empiriegeleitete Untersuchung unter Berücksichtigung der Aufwertungsspekulation gegen den Schweizer Franken

Die Aufwertung des CHF infolge Aufgabe der Kursgrenze Anfang 2015 hat gezeigt, dass bei nicht Free Float-Währungen grundsätzlich ein Paritätenrisiko besteht. Anders als bei anderen historischen Ab- bzw. Aufwertungsspekulationen ließen sich dieses Mal jedoch ex ante keine aus den Finanzmarkttheoremen ableitbare Signale erkennen. Vielmehr waren Sprünge im Devisensaldo der Schweiz, die Mitnahme der Abwertung gegenüber dem USD und spekulatives Verhalten von Marktteilnehmern als Warnsignale zu erkennen. Für international tätige Unternehmen, die in fremder Währung fakturieren, gilt ebenso wie bei Verträgen in Free Float-Währungen, sich dem Devisenkursrisiko bewusst zu sein. Im Zuge des Währungsrisikomanagements gilt es, regelmäßig die entsprechenden Devisenkurssicherungsmaßnahmen zu ergreifen, wie z.B. der fristen- und betragskongruente Abschluss von Devisentermingeschäften oder Devisenoptionen.

Gliederung

I.Einleitung
II.Latentes Paritätenrisiko des Schweizer Franken
 1.Erläuterung der einseitigen Kursbindung
 2.Signale durch verzerrte Zins- und Swapsätze
 3.Geldmarktanomalie bei Abwertungsspekulationen im EWS I
 4.Kursreaktionen gegenüber Drittwährungen und Devisensaldo als weitere Indikatoren
III.Zinssätze, Swapsätze und Währungs-Cross-Rates als Risikoindikatoren
 1.Marginale Signale am Geldmarkt
 2.Spekulatives Umfeld
 3.Sprunghafte Entwicklung des Devisensaldos
IV.Währungsrisikopolitische Konsequenzen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen in nicht Free Float Währungsgebieten
V.Zusammenfassung

Einleitung

Mitte Januar 2015 kam es unerwartet zu einer Aufhebung der einseitigen Bindung des Schweizer Franken (CHF) an die europäische Gemeinschaftswährung. Obwohl die Schweizer Nationalbank (SNB) drei Jahre zuvor betont hat, nur einen temporären Schutz vor Überbewertung einzurichten, hat die Aufhebung eine Vielzahl an Marktteilnehmern überrascht. Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, ob bereits in den Wochen vor dem drastischen Schritt Signale für die Kurswende an den Finanzmärkten erkennbar waren. Auch wenn sich die Schweiz nur zu einer einseitigen Begrenzung des Franken entschloss, so zeigt die Historie, dass es in Währungssystemen mit festgelegten Kursgrenzen wiederholt zu Abwertungs- bzw. Aufwertungsspekulationen kam. In Interventionspunktsystemen fanden beispielsweise im EWS I 1983 eine Abwertungsspekulation gegen den Französischen Franc und 1993 u.a. gegen die italienische Lira (ITL) statt, in einem Craw-like-Arrangement musste z.B. der Argentinische Peso 2001 seine Bindung an den USD aufgeben und eine extreme Abwertung nach Kursfreigabe hinnehmen. In diesen historischen Fällen kam die Erwartung der Mehrheit der Marktteilnehmer über notwendige Abwertungen ex ante in spekulativ deformierten Zins- und Swapsätzen zum Ausdruck.

Aufgrund des derzeit extrem niedrigen Zinsniveaus der Hartwährungen bleibt für ausgeprägte Zinsdeformationen nicht viel Raum. Diese können kaum die einzigen Signale eines Aufwertungsdrucks gegen den Schweizer Franken gewesen sein. Es gilt, nach Hinweisen bei anderen Indikatoren zu suchen. Trotz allem musste den Akteuren auf den Finanzmärkten bewusst gewesen sein, dass grundsätzlich ein Paritätenrisiko aufgrund der jederzeit möglichen Aufgabe des festgelegten Mindestkurses bestand. Die vorliegende Untersuchung widmet sich einer Analyse verschiedener Signale als Hinweis auf eine zunehmend spekulative Devisenkursentwicklung zwischen Währungen, bei denen zumindest eine Seite Kursgrenzen festgelegt hat. Ein abschließender Blick auf die verbleibenden Entscheidungsoptionen bei drohendem Paritätenrisiko zeigt den geringen Handlungsspielraum für finanzwirtschaftliche Optimierungsüberlegungen auf.


Informationen zu den Autoren

Univ.-Prof. Dr. Matija Denise Mayer-Fiedrich, Lehrstuhl für ABWL und Internationale Finanzierung, Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, E-Mail: [email protected]


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