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CFB vom 07.01.2013, Heft 01 , Seite 10 - 22, CFB0556923

Unternehmenswertsteigerung durch Wachstumsforcierung oder Profitabilitätsverbesserung?

Die Automobilindustrie steht nach der Überwindung der Wirtschaftskrisenjahre vor erneuten Herausforderungen. Der Kampf um die höchsten Absatzzahlen, die Überwindung marktspezifischer Wachstumsstagnation und die Optimierung der internen Kostenstrukturen sind die aktuellen Haupthandlungsfelder im Wettbewerb der größten Automobilhersteller. Um die Herausforderungen anzugehen und gleichzeitig den Unternehmenswert langfristig zu steigern, ergeben sich zwei strategische Handlungsoptionen: Forcierung des Wachstum vs. Verbesserung der Profitabilität. Im Rahmen einer empirischen, länderübergreifenden und branchenspezifischen Untersuchung werden die Wertsteigerungspotenziale beider Strategien bei deutschen, europäischen und japanischen Automobilherstellern mit Hilfe des Relative Value of Growth-Ansatzes analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Unternehmen nicht die, für sie wertmaximierende Strategiealternative verfolgen und sich somit der Praxiseinsatz des Bewertungsinstruments Relative Value of Growth (RVG) empfiehlt.

Eine empirische Analyse auf Basis des Relative Value of Growth (RVG)-Ansatzes am Beispiel internationaler Automobilhersteller

Gliederung

I.Einleitung
II.Charakterisierung der Automobilindustrie
III.Der RVG als Instrument zur wertorientierten Strategiebewertung
 1.Wertorientierung und Unternehmensstrategie
 2.Strategische Wertsteigerungshebel
 3.Der RVG-Ansatz
IV.Empirische Untersuchung des RVG anhand börsennotierter Automobilhersteller
 1.Datenbasis und Modellbeschreibung
 2.Anwendung des RVG-Konzepts
 3.Abgleich der Ergebnisse mit den publizierten Unternehmensinformationen
 4.Sensitivitätsanalyse der Ergebnisse
V.Ergebnis- und Kennzahlbeurteilung
 1.Diskussion der Ergebnisse
 2.Grenzen des Ansatzes und Ableitung von Handlungsempfehlungen
VI.Zusammenfassung

Einleitung

Nachdem sich die Automobilindustrie von den Umsatz- und Profitabilitätseinbrüchen der krisenbehafteten Geschäftsjahre 2008-2009 erholt hat, steht die Branche nun vor einem erneuten Umbruch: Der Kampf der führenden Automobilhersteller um die höchsten Absatzzahlen, die Überwindung marktspezifischer Wachstumsstagnation und die Optimierung der internen Kostenstrukturen sind die aktuellen Haupthandlungsfelder im Führungswettbewerb der Automobilindustrie. Die Dynamik auf dem europäischen Markt ist aktuell stark gedämpft, denn dieser "[...] leidet in der Konjunkturschwäche unter Überkapazitäten, viele Autobauer müssen ihre Autos mit Abschlägen auf den Markt bringen, um die Anlagen auszulasten". Die deutschen OEMs konnten im internationalen Branchenvergleich des ersten Quartals 2012 "[...] trotz der schwachen Entwicklungen auf dem europäischen Absatzmarkt erneut überdurchschnittlich stark zulegen: Sie steigerten den Umsatz um 18 Prozent [...]". Auch die japanischen Hersteller konnten sich als starke Wachstumsantreiber behaupten, denn "nach Qualitätsproblemen und Rückschlägen infolge der Tsunami- und Reaktorkatastrophe haben die japanischen Autobauer in diesem Jahr ein Comeback hingelegt, das man 2011 nicht für möglich gehalten hätte. [...] Bei der Profitabilität sind die japanischen Hersteller aber noch weit von der deutschen und koreanischen Konkurrenz entfernt".

Wie die Akteure der Automobilbranche letztendlich mit den genannten Marktentwicklungen umgehen, zeigt sich in der jeweils verfolgten Unternehmensstrategie. Die oben zitierten Textpassagen zeigen die zwei grundsätzlichen strategischen Varianten: Einerseits können die OEMs verstärkt auf Wachstum setzen, andererseits auf eine Verbesserung der Profitabilität. Da viele Automobilhersteller öffentlich gehandelte Unternehmen sind und eine wertorientierte Unternehmensstrategie im Sinne des Shareholder-Value Ansatzes verfolgen, wird als oberstes Ziel häufig die Unternehmenswerterhöhung postuliert. Damit stellt sich die Frage, welche Option unter wertsteigernden Gesichtspunkten vorteilhafter ist: Wachstum, z.B. gemessen am Umsatz, oder Profitabilitätsverbesserung, z.B. gemessen an der Veränderung einer Gewinngröße. Mass beschäftigte sich mit dieser Frage nach der wertmaximierenden Strategie und entwickelte eine Kennzahl zur wertorientierten Strategiebeurteilung: Mit Hilfe des Relative Value of Growth kann geprüft werden, ob ein Prozentpunkt mehr Wachstum oder mehr Profitabilität den Unternehmenswert eher steigern kann und somit, welche der Alternativen die Ansprüche der Anteilseigner bestmöglich erfüllt.

Der vorliegende Artikel soll die Frage beantworten, ob deutsche, europäische und japanische Automobilhersteller ihren Unternehmenswert eher durch eine Profitabilitäts- oder Wachstumsstrategie maximieren können und welche Implikationen sich daraus für die Unternehmensleitung ergeben. Zunächst wird dafür im zweiten Kapitel die Automobilindustrie näher untersucht und anschließend werden die notwendigen Grundlagen der wertorientierten Strategiebewertung in Kapitel III erarbeitet. Durch die Anwendung des RVG-Konzepts auf die Unternehmen in der Automobilindustrie werden die Vorteilhaftigkeit des Wachstums bzw. der Profitabilität ins relative Verhältnis zueinander gesetzt. Anhand der Ergebnisse und den automobilbezogenen Branchenspezifika wird anschließend versucht, die Ursachen potentieller Abweichungen zwischen den Untersuchungsergebnissen und der von den Unternehmen signalisierten Strategierichtungen zu analysieren (Kapitel IV). Durch die Synthese der gewonnenen Informationen sollen generelle Empfehlungen für die strategische Stoßrichtung der Automobilhersteller sowie mögliche Adjustierungsoptionen für den RVG als Bewertungskennzahl herausgearbeitet werden, um die Anwendung des Ansatzes - generell und auch in anderen Branchen - zu fördern und zusätzliche Denkanstöße zur Anwendungsoptimierung zu geben (Kapitel V). Die zusammenfassende Formulierung eines schlussbetrachtenden Fazits erfolgt im sechsten Kapitel der Arbeit.


Informationen zu den Autoren

Martin Gehrmann, B.Sc., hat BWL an der Universität Bayreuth studiert und arbeitet zurzeit bei der Deutsche Bank Group India in der Corporate & Investment Bank Division, E-Mail: [email protected]

Prof. Dr. Reinhard Meckl ist Inhaber des Lehrstuhls für Internationales Management an der Universität Bayreuth, E-Mail: [email protected]


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