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CFB vom 03.12.2012, Heft 08 , Seite 383 - 391, CFB0491996

Bilanzpolitik im Rahmen der Entscheidung zur Erfassung einer Wertminderung gemäß IAS 36 - Empirische Analyse des Bilanzierungsverhaltens deutscher Unternehmen im Zeitraum 2004 bis 2010

Der Beitrag befasst sich mit der Erfassung von Wertminderungen nach IFRS. Aufgrund der Tatsache, dass durch die Regelungen des IAS 36 "Wertminderung von Vermögenswerten" den Bilanzierenden weitreichende Ermessensspielräume eröffnet werden, sollen die wesentlichen Einflussfaktoren auf die Wertminderungsentscheidung untersucht werden. Nach einer prägnanten Darstellung der theoretischen Grundlagen zur Wertminderung von Vermögenswerten sowie zur Einordnung der bilanzpolitischen Spielräume untersuchen Zülch/Siggelkow empirisch die Auswirkung unterschiedlicher Anreize auf die Wertminderungsentscheidung von zwischen 2004 und 2010 in den Indices DAX, MDAX, SDAX und TecDAX gelisteten deutschen Unternehmen.

Gliederung

I.Einleitung
II.Die Regelungen des IAS 36
 1.Ermittlung des Wertminderungsbedarfs
 2.Bilanzpolitisches Potenzial im Rahmen der Ermittlung des Wertminderungsbedarfs
III.Bilanzpolitische Anreize als Grundlage der weiteren Untersuchung
IV.Empirische Analyse deutscher börsennotierter Unternehmen
 1.Datenbasis
 2.Entwicklung von Wertminderungen im Zeitablauf
 3.Analyse der wertminderungsbegründenden Einflussfaktoren
 Bilanzpolitische Einflussfaktoren
Zusammenfassung

Einleitung

Die Erfassung von Wertminderungen nach den Vorschriften des IAS 36 "Wertminderung von Vermögenswerten" eröffnet weitreichende Ermessensspielräume. Nicht nur bei der Bewertung des Goodwill, sondern auch in der Folgebewertung anderer immaterieller und materieller Vermögenswerte besteht diesbezüglich großes bilanzpolitisches Potenzial. Dieser Tatsache wird in Deutschland unter Anderem dadurch Rechnung getragen, dass die Wertminderung von Vermögenswerten nach IAS 36 bereits seit 2006 einer der Prüfungsschwerpunkte der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung ist.

Die Regelungen des IAS 36 verlangen regelmäßig die Bildung von zahlungsmittelgenerierenden Einheiten als Bewertungsobjekt - wobei die Größe einer solchen zahlungsmittelgenerierenden Einheit von einer Produktlinie bis zu einem Geschäftssegment reichen kann - und erfordern zudem die Prognose künftiger erwarteter Zahlungsmittelzuflüsse, um den erzielbaren Betrag dieser Einheit ermitteln zu können. Der aus der Regelung resultierende Ermessensspielraum kann auf zwei Arten genutzt werden: Um private Informationen zu kommunizieren und so Informationsasymmetrien zu reduzieren oder zu bilanzpolitischen Zwecken. Dabei wird Bilanzpolitik hier als die zielgerichtete Gestaltung des Jahresabschlusses zur Beeinflussung der Wahrnehmung durch Dritte oder von vertraglichen Ergebnissen im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben definiert. Diverse internationale und insbesondere amerikanische Studien untersuchen, welche Faktoren die Entscheidung über den Zeitpunkt und die Höhe von Wertminderungen beeinflussen. Für deutsche kapitalmarktorientierte Unternehmen liegt eine solche Untersuchung bislang nicht vor. Da sich einerseits die internationalen Regelungen von den für US-amerikanische Unternehmen geltenden US-GAAP unterscheiden und andererseits das institutionelle Umfeld stark abweicht, ist davon auszugehen, dass die Ergebnisse der US-amerikanischen Untersuchungen sich nicht ohne weiteres auf den deutschen Markt übertragen lassen. Für Deutschland ist aufgrund des starken Gläubigerschutzes und des geringen Anlegerschutzes im Gegensatz zu starkem Anlegerschutz und geringem Gläubigerschutz in den USA mit abweichenden Anreizen zur Bilanzpolitik zu rechnen. Aufgrund der starken Kopplung zwischen Handels- und Steuerbilanz und des weiterhin fest verankerten Vorsichtsprinzips ist davon auszugehen, dass die Technik der Ergebnisglättung in Deutschland eine besondere Stellung innehat.

Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es im Folgenden, durch die Analyse einer breiten Datenbasis die Faktoren herauszufiltern, die die Entscheidung zur Durchführung einer Wertminderung bei deutschen kapitalmarktorientierten Unternehmen beeinflussen. Dafür wird eine Grundgesamtheit der im HDAX und SDAX gelisteten deutschen Unternehmen für die Geschäftsjahre 2004 bis 2010 analysiert. Die Firmenjahre werden in zwei Gruppen eingeteilt - solche, in denen Wertminderungen erfasst wurden, und solche, in denen keine Wertminderungen erfasst wurden - und auf bestehende Unterschiede untersucht. Bevor allerdings die empirischen Ergebnisse betrachtet werden, sollen zunächst die Regelungen des IAS 36 als Grundlage der weiteren Betrachtung sowie die möglichen bilanzpolitischen Anreize in diesem Zusammenhang diskutiert werden.


Informationen zu den Autoren

Prof. Dr. Henning Zülch ist Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen, Wirtschaftsprüfung und Controlling an der HHL - Leipzig Graduate School of Management, Dipl.-Kffr. Lena Siggelkow ist Mitarbeiterin an diesem Lehrstuhl.


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