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CFB vom 10.04.2012, Heft 03 , Seite 169 - 171, CFB0467160

Die europäischen Kreditmärkte im Jahr 2012: Große Herausforderungen und hohe Volatilität

Das zurückliegende Jahr war durch sehr unterschiedliche Entwicklungen an den Anleihemärkte weltweit gekennzeichnet: Der Markt für europäische Unternehmensanleihen war deutlich rückläufig, während ausländische Märkte von dem Trend profitierten, Anleihen in lokalen Währungen zu emittieren. Nur der Markt für US-Dollar-Unternehmensanleihen zeigte sich relativ stabil. Die Unsicherheit über die wirtschaftliche Lage wird auch in 2012 die europäischen Anleihemärkte bestimmen. Ohne überzeugende Lösung der Eurokrise ist weiterhin mit einer hohen Volatilität zu rechnen. Entsprechend vorsichtig werden sowohl Emittenten von Unternehmensanleihen als auch Investoren agieren. Im Vergleich dazu stehen die Zeichen für Angebot und Nachfrage von Schuldscheindarlehen deutlich besser, so dass das Emissionsvolumen in diesem Segment steigen wird. Emittenten sind gut beraten, ihre Finanzierungsstrategie zu überdenken. Dabei sollten sie sowohl die Instrumente als auch die Währungen, in denen sie emittieren, strategisch erweitern. Unternehmen mit einem starken Auslandsgeschäft sollten deshalb die Begebung von Fremdwährungsanleihen in Erwägung ziehen.

Gliederung

I.Einleitung
II.Fundamentale Betrachtung der Anleihemärkte
III.Schuldscheindarlehen als Finanzierungsalternative
IV.Diversifizierung ist der Schlüssel zum Erfolg

Einleitung

Wie schnell sich das Emissionsfenster schließen kann, zeigte sich in den Sommermonaten des vergangenen Jahres: Die Volatilität stieg schlagartig an, und der Markt für Neuemissionen kam fast vollständig zum Erliegen (siehe Abb. 1). Da zudem viele Unternehmen ihre Finanzierung bereits gesichert hatten, ging das Emissionsvolumen von in € denominierten Unternehmensanleihen 2011 gegenüber 2010 um 20% zurück. Die dominierenden Sektoren waren auch im letzten Jahr Telekommunikation, Industrie, Versorger und Automobile. Zudem setzte sich der Trend fort, dass immer mehr Unternehmen in ausländischen Märkten die lokale Währung zur Refinanzierung nutzen. An erster Stelle ist hier der stark wachsende Dim Sum-Markt zu nennen. Bei Dim Sum-Bonds handelt es sich um in chinesischen Renminbi denominierte Schuldverschreibungen, die im Offshore Renminbi-Markt in Hongkong platziert werden. Der Dim Sum-Markt war im vergangenen Jahr der mit Abstand am stärksten wachsende Anleihemarkt weltweit und wurde beispielsweise von Volkswagen und Bosch Siemens Hausgeräte zur Refinanzierung ihres China-Geschäfts genutzt. Auch in diesem Jahr werden zahlreiche multinationale Unternehmen Dim Sum-Bonds begeben und für ein weiteres Wachstum dieses Marktes sorgen.

Abb. 1: US-Dollar-Markt stabil (Quelle: HSBC)


Abb. 2: Emissionsvolumen von Unternehmensanleihen in US-Dollar nach Laufzeiten (Quelle: HSBC, Dealogic, Dezember 2011)


Der Euro-Markt für Unternehmensanleihen (inklusive High Yield) wird hingegen vermutlich in etwa bei 120 Mrd. € auf seinem Niveau von 2011 verharren, da die Herausforderungen an den europäischen Anleihemärkten ähnlich groß sein werden wie im vergangenen Jahr. Wir rechnen damit, dass es 2012 weder zu einer nachhaltigen Lösung der Eurokrise, noch zu einem Zusammenbruch der Eurozone kommen wird. Das wahrscheinlichste Szenario ist eine Fortsetzung des so genannten "Muddling Through" - des "Durchwurstelns" durch die Krise. In diesem Fall sind ein niedriges Wirtschaftswachstum, weitere Abschreibungen bei den Banken, hohe Volatilität selbst bei sicheren Anlageklassen, geringe Handelsvolumina und fortgesetzte Stützungsmaßnahmen zu erwarten.

Der Markt für US-Dollar-Unternehmesanleihen zeigte sich im vergangenen Jahr von der Eurokrise weitgehend unbeeindruckt und erzielte mit ca. 700 Mrd. USD ähnliche Volumina wie in den vergangenen beiden Jahren. Gut ein Drittel aller Emissionen steuerten die so genannten "Yankee-Emittenten" bei - also US-Dollar-Anleiheemissionen von nicht den USA ansässigen Unternehmen. Ein Grund dafür waren die historisch stark negativen Basis-Swaps für den Tausch von USD in €. Dadurch waren die Finanzierungskosten nach Swap in € für Emittenten zeitweise außerordentlich attraktiv. Der High Yield-Sektor wurde hingegen im zweiten Halbjahr von den volatilen Kapitalmärkten in Mitleidenschaft gezogen. Das Emissionsvolumen im zweiten Halbjahr ging um 65% deutlich zurück. In Abgrenzung zum Markt für Euro-Unternehmensanleihen waren im US-Dollar-Markt wesentlich längere Laufzeiten gefragt: So entfielen knapp 60% des Emissionsvolumens auf Laufzeiten von acht Jahren oder länger, in Euro waren es lediglich ca. 20% in diesem Laufzeitsegment (siehe Abb. 2 auf S. 169).


Informationen zu den Autoren

Ingo Nolden ist Leiter Debt Capital Markets Corporates bei HSBC in Deutschland.


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